Eine alte Form des Lernens

27. Oktober 2009

Im Laufe der Jahre hat sich bei mir die Einsicht erhärtet, das der Lernansatz, wie er in Schulsystemen propagiert wird, nur mäßig erfolgreich sein kann. Im Laufe der Geschichte der Menschheit wurde Wissen von Generation zu Generation weitergegeben. Dabei wurde (zwangsweise) sehr viel Wert auf die praktische Erfahrung gelegt. Das bedeutet nichts anderes, als dass man sein Wissen durch regelmäßige Anwendung manifestiert und eben auch erweitert. Denn nur durch die praktische Anwendung kann man Erfahrungen machen und daraus lernen.

Betrachtet man dann so augenscheinlich einfache Themen wie den Deutschunterricht, dann stellt man fest, dass der Fokus nicht auf dem Anwenden bestehenden Wissens gelegt wird, sondern auf eine von Anfang an theorielastige Wissensvermittlung. Das Schulsystem motiviert nicht durch das Aufzeigen von Verbesserungen in der eigenen Leistung, sondern durch darstellen des Abstandes zum theoretischen Maximum.

Daher bin ich fester Überzeugung, dass man seinem Kind vielleicht zeigen sollte, wie man einen eigenen Blog betreibt, denn die Prüfkriterien sind da anders und in meinen Augen wesentlich motivierender. Schule könnte soviel Spaß machen, dass man die wichtigen Dinge dann fast schon im Vorbeigehen lernt.

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“Bist Du bescheuert”

10. September 2009

Ich sitze wieder einmal im ICE von Berlin nach Hamburg. Es ist Messe in Berlin und der Zug noch etwas voller als sonst. Hinter mir sitzt eine etwas gestresste Familie, die sich offensichtlich uneinig darüber ist, wie man Reisen plant und durchführt.

Die Frau sagte zu ihrer Tochter, dass sie nur noch ohne ihren Lebensabschnittsgefährten verreisen möchte, weil “man da nie den Flieger verpasst”. Daraufhin bat der Mann um ein Gespräch (”Komm’ste mal hinter?”). Die Antwort der Frau war: “Nein. Ich möcht nich mit dir reden. Nein. Ich will nich mit Dir diskutieren . Bist Du bekloppt, da hören doch alle zu”.

Ich war kurz davor, ihr mitzuteilen, dass sich bereits für alle umliegenden Fahrgäste die Situation recht ausführlich darstellt und die weiteren Ausführungen dem nicht mehr viel Unterhaltungswert hinzufügen kann.

Das Kommunikationsembargo wird gerade dadurch unterwandert, dass er ihr immer wieder ne SMS schreibt. Na wenn das nicht unterhaltend wird, dann wäre ich überrascht.

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--> Bloß weil du nicht paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.
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--> Du bist nicht allein

Bezahlcontent scheitert am Bezahlen

7. August 2009

Manchmal fühle ich mich alt. Zum Beispiel dann, wenn die Sau “Bezahlcontent” durch das virtuelle Dorf getrieben wird. Ich erinnere mich eben nicht mehr ganz genau wie das damals war, weil es auch schon eine Weile her ist. Aber da war der Glaube an bezahlte Inhalte im Netz ähnlich groß wie heute und die Abhängigkeit zu den etablierten Medien und Verwertungsgesellschaften wesentlich höher als heute. Und schon damals hat es irgendwie nicht funktioniert.

Ich könnte jetzt einen Beitrag zusammen zimmern, der mit “Analyse” überschrieben wäre und auf mehreren Seite darlegt, warum das nicht funktionieren möchte. Aber der Grund war damals und wird es auch dieses Mal wieder ein sehr einfacher sein: wenn das Bezahlen nicht einfach genug ist, dass es auch jemand macht, dann wird auch keiner bezahlen. Und wenn keiner zahlt, dann kann man auch nichts verkaufen.

Entweder ist es an mir vorbei gegangen und das Thema Micro-Payment wurde tatsächlich gelöst, weshalb man ein zweites Mal jubelnd diesen Weg nachrennt oder man ist tatsächlich der Meinung, dass man a) wesentlich mehr als “Micro” verlangen kann oder b) glaubt, dass jemand so wagemutig ist, im Voraus zu zahlen.

Hoffnung

Aber selbst wenn wir nicht so pessimistisch sind: Wenn ich für einen Beitrag etwas gezahlt habe, schafft es dann das Medium, dass ich dann wenigstens von diversen anderen Versuchen damit Geld zu verdienen verschont bleibe? Wir dann der Spiegel wieder Klickstreckenfrei? Hört dann die Durchmischung von redaktionellen Inhalten und Werbung auf? Nimmt dann die Qualität der Berichterstattung wieder zu?

Realität

Im Moment geht bei mir nicht nur der Fernsehkonsum, sondern auch der Nachrichtenkonsum zurück oder besser, sucht sich neue Wege. Mein wichtigster Kanal für Neuigkeiten sind im Moment die ganzen Menschen, denen ich per twitter folge und so neben Blogs eigentlich nichts wichtiges verpasse. Die Anzahl der guten Blogbeiträge liegt ähnlich hoch wie die Anzahl der guten Beiträge auf den eigentlichen Nachrichtenkanälen. Wenn diese dann auch noch Geld verlangen würden, müsste man mir wirklich einen Artikel empfehlen, damit ich mir die Mühe mache, den Bezahlprozess anzusehen. Wenn dieser dann nicht vollkommen schmerzfrei ist, dann wird mein Geld wohl bei mir bleiben.

Viele Frage, vor allem viele alte Fragen ohne das sich in der Zeit dafür Antworten gefunden hätten. Aber ohne diese Antworten bleibt das Geschäft mit dem Bezahlcontent wohl nur ein Wunschtraum.

p.s.: Danke dass Sie mit ihrer wertvollen Zeit gezahlt haben. Ich hoffe, mein Beitrag stand dazu in einem guten Verhältnis.

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--> Narrensicher
--> Ich würde für Twitter zahlen – aber nicht viel

Twitter addicted

6. August 2009

Heute war Twitter mal wieder nicht erreichbar. Kam lange nicht vor, aber heut war es wieder mal so weit. Wobei der Unterschied wohl darin besteht, dass heute wohl eine DoS-Attacke dafür verantwortlich war.

Eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: man hat keine Angst um irgendwelche Daten, die verloren gehen könnten. Die schlechte: auch wenn ich durch ne Bahnfahrt eine Zwangspause hatte, merkt man doch sehr gut, wie Twitter zum festen Bestandteil der eigenen Online-Aktivität geworden ist.

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Bahnsinn – der Kunde ist … verwirrt

20. Juli 2009

Ich sitze im ICE von Mannheim nach Hamburg. Der Schaffner, quatsch, Zugbegleiter hat meine Fahrkarte bereits gesehen. In Frankfurt steigt ein Mann zu, der sich in mein Abteil setzt. Der Zugbegleiter kommt und kontrolliert die Fahrkarte. Der Mann fängt auf einmal an mit:

Kunde: Könnten Sie meine Adresse ändern?
Zugbegleiter: Was? Nein, die brauche ich garnicht.
K: Aber ich bin umgezogen.
Z: Aber die Adresse brauche ich jetzt garnicht.
K: Aber Sie sind doch die Bahn.
Z: Aber das kann ich nicht auch noch machen.
K: Aber dann muss ich mich da wieder drum kümmern.
Z: Ja. Ich kann Ihre Adresse nicht ändern.
K: Ob Sie die nun ändern… sonst muss ich das ja wieder machen.
Z: Ja, das müssen Sie machen.
K: Aber das nun Sie machen, oder ob ich das machen. Bei der Bahn macht der Kunde Selfservice.
Z: Irgendwo hört es ja auch mal auf.
K: Dann muss ich mich wieder darum kümmern.
Z: Ja. Gute Fart. [verlässt die Bühne]

Also ich persönlich finde das schon etwas schräg. Ich wäre nie darauf gekommen, eine Adressänderung einem Schaffner (das ist wieder das böse alte Wort) aufzudrücken. Schon aus Selbstschutz nicht. Der Schaffner hat sicher andere Sorgen.. und wenn bei diesem Akt was daneben geht, hätte ich gerne jemand greifbar, den ich dann zur Verantwortung ziehen kann. Aber auch sonst fällt mir kein Grund ein, wieso ich beim Schaffner mit diesem Anliegen an der richtigen Adresse wäre.
Ich hoffe, der Mann zückt kein Messer…
Zitat aus dem Film Adams Family:

Als was gehst Du denn zum Karneval?
Als Serienmörder. Die sehen aus wie Du und Ich.

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