Verbote retten Leben und töten den Verstand
Es wäre mir neu, dass Verbote geeignet sind, leben zu retten. Diese Schlussfolgerung muss man aber ziehen, wenn Herr Frattini sich wie bei Golem zu lesen geäußert hat:
Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters soll Frattini laut dieser gesagt haben, er wolle zusammen mit der Privatwirtschaft untersuchen, wie technisch verhindert werden kann, dass Menschen "gefährliche Worte" wie "Bombe" (bomb), "töten" (kill), "Völkermord" (genocide) oder "Terrorismus" (terrorism) nutzen oder nach diesen suchen.
Ich kann mir das recht gut vorstellen. Da ist jemand auf dunklen Pfaden unterwegs und er darf das Wort "Bombe" ja nicht mehr benutzen.
- Böser Mensch: Hey Du. Ich bin so sauer, ich könnte mich in die Luft hhhhmmmhhhmmhhmm.
- Potentieller Mitläufer: Du könntest Dich was?
- Böser Mensch: .. in die Luft hhhmmmhhmmm. Mit einer hhmmmhmmm. Und das ganze Gesocks nehm ich dabei mit.
- Potentieller Mitläufer: Ich versteh dich nicht. Was auch immer Du meinst, ich bin manchmal so sauer, ich könnt die alle überfahren.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass jemand, der im Internet nach "Völkermord" sucht, sich dann sagt: "Au, ja. Dass ist ja ne prima Idee. Das mach ich jetzt gleich mal."
Die Meinungsfreiheit sieht Frattini dadurch nicht beeinträchtigt, denn Anleitungen zum Bombenbau hätten mit Meinungsfreiheit nichts zu tun, so Frattini im Telefoninterview mit Reuters. Die absoluten Rechte müssten die höchste Priorität haben, allen voran das Recht auf Leben.
Nach dem Recht auf Leben kommt in meinen Augen gleich das Recht auf Freiheit. Verbote schränken die Freiheit aller folgsamen ein. Ein Terrorist wird sich kaum einem Verbot beugen (jemanden umzubringen ist bereits verboten). Demzufolge schränke ich mit so einem Verbot die Freiheit aller Nicht-Terroristen ein, also von uns allen (für denn Fall, dass Du ein mitlesender Terrorist bist: Ich will keinem was böses. Las uns drüber reden.). Wozu brauche ich dann so ein Verbot?
Jemand der Hunger hat, hat es nicht erst, weil er etwas über Brot gelesen hat.
Am 12. September 2007 um 11:17 Uhr
Als größte Gefahr für die Demokratie sehe ich die Diskussionsunwilligkeit eines Volks, die sich in Meinungsdeliktsgesetzen ausdrückt. Stasi 2.0 wie der Frattini-Vorschlag dagegen verbessert nur die Exekutivmöglichkeiten des Staats und ist deshalb nicht der Kern der Demokratieferne in Deutschland und in ganz Europa.Deshalb behaupte ich ja auch, daß die entsprechenden Überwachungskritiker selbst nicht die größten Demokratieverfechter sind.Der Kampf gegen Stasi 2.0 ist für mich eher Ausdruck der Pflichtexekution von Demokratie im Rahmen der Reeducation. Ein wahrer Einsatz für Demokratie besteht für mich im Engagement für eine einzige Sache: Im Einsatz für die volle Meinungsfreiheit, so wie sie die US-Verfassung kennt.
Für die volle Meinungsfreiheit setzt sich heute keine Partei ein, vielleicht nicht mal die NPD, weil das ja eher eine national-autoritäre denn eine liberal-nationale Partei ist. Nur leben die NPD-Jungs die Demokratie am ehesten in Deutschland, weil sie ungeachtet karrieretechnischer Folgen die vorhandene Meinungsfreiheit in vom Establishment unerwünschter Weise bis an den Rand des möglichen ausreitzen.
Am 12. September 2007 um 15:16 Uhr
Hi hi, schon eine sehr lustige Idee! Das würde in überspitzter Form ja bedeuten, dass all diejenigen, die sich beispielsweise im Internet über Sachen wie “Völkermord”, “Terrorismus” oder ähnliches informieren wollen – oder es gar einer Arbeit wegen müssen – ab sofort von diversen Geheimdiensten verfolgt und überwacht würden…:)
Tja, da hilft nur dumm bleiben und sich nicht informieren – so lebte es sich schon immer am gemütlichsten…
Am 12. September 2007 um 20:27 Uhr
[...] alles im ersten Moment recht harmlos aus, wie man schön an einem Kommentar zu meinem Beitrag Verbote retten Leben und töten den Verstand sehen kann. Dort schreibt Thomas Kurbjuhn hinterfragend: Für die volle Meinungsfreiheit setzt [...]
Am 12. September 2007 um 20:29 Uhr
@Thomas Kurbjuhn
Danke für diesen Beitrag, aber ich verfechte grundlegend andere Ansichten als die NPD. Google ist dein Freund, wenn man mal schauen möchte, was den einen oder anderen so umtreibt. Mehr Spass unter http://www.mosmann.de/blog/2007/09/12/die-npd-bloggt/