Selbstorganisation in komplexen Prozessen

20.01.2007 20:26

Das Leben ist kompliziert. Niemand würde dafür ein Modell entwickeln und Prozesse beschreiben. Und obwohl es keine übergreifende Prozessdefinition gibt, scheint es zu funktionieren. Warum?

Mikrokosmos

Betrachten wir das Leben im kleinen. Die Probleme werden überschaubarer, Prozesse werden sichtbar.
Ein Beispiel: Ich habe Hunger und brauche etwas zu Essen. Ich kann mir was zu essen kaufen. Ich benötige dafür Geld. Außerdem muss ich wissen, was ich kaufen möchte und anhand dessen eine Auswahl darüber treffen, wo ich einkaufen gehe.

Dieser Vorgang ist jedem klar und geläufig. Trotzdem beinhaltet dieses Beispiel doch viele interessante Aspekte, die für das Thema von entscheidender Bedeutung sind.

Aspekt: Prozessbeschreibung

Die Prozessbeschreibung für das Lösen des Problems "Ich habe Hunger" lässt erkennen, das es mehr als eine Lösungsmöglichkeit für das Problem(Einkaufen, Restaurant, Früchte sammeln) gibt. Dabei hängen an jeder Lösungsmöglichkeit entsprechende Rahmenbedingungen(Supermarkt sollte geöffnet sein) und Aufwände(ich benötige Geld oder Gummistiefel(Früchte sammeln)).

Aspekt: Schnittstellenbeschreibung

Das wird man normalerweise für so ein Problem im Leben selten so definieren, allerdings ist die Problemdefinition ausreichend für eine Schnittstellenbeschreibung. Die Schnittstelle im genannten Beispiel ist wie folgt definiert: Wenn ich Hunger habe, benötige ich etwas zum essen. Das mag einem jetzt vielleicht etwas grob erscheinen, gerade weil einem vielleicht schon die eine oder andere Einschränkung einfällt. Allerdings sollte man sich nicht dahingend täuschen lassen, das eine detailiertere Beschreibung zu einfacheren Prozessen führt.

Aspekt: Delegierbarkeit

Mit der Problembeschreibung und einer Lösungsalternative kann man diese Aufgabe natürlich an jemanden delegieren. Das kann man ohne jede weitere Dokumentation. Wenn man die Lösungsalternative weglässt, reduziert sich die eigene Verantwortung auf die Definition der Schnittstelle und die Verantwortung für die Umsetzung wird mit deligiert.

Aspekt: Skalierbarkeit und Prozessoptimierung

In diesem Beispiel kann man die Lösung hervorrand skalieren. Mann muss einfach nur genügend Menschen (ich gehe jetzt hier mal davon aus, das Menschen dafür zur Verfügung stehen, möchte es aber in keiner Weise darauf eingrenzen) damit beauftragen.
Wenn man den Auftrag ausreichend oft erteilt, wird der jenige, der den Auftrag dann häufig ausführt, irgendwann automatisch seine eigenen Prozesse optimieren. Das liegt zum einen in seinem eigenen Interesse und zum anderen (und das darf man nicht vergessen) auch in seiner eigenen Verantwortung.

Aspekt: Entwicklung

Im laufe der Zeit wird man feststellen, das man vielleicht mehr Kontrolle darüber haben möchte, welches Ergebniss man erhält (z.B. das man gerade lieber herzhafte Nahrung haben möchte). Das wird dazu führen, dass man die Schnittstellendefinition einengt. Das macht man automatisch soweit wie nötig. Sie können den Unterschied leicht feststellen, wenn Sie im Restaurant jemandem zusehen, der das Essen auf der Karte in Details abändern möchte ("Bitte keinen Reis, ich hätte gern Pommes. Und könnten Sie die Tomaten weglassen?").

Lessons learned

Mit einer einfachen Problembeschreibung ist es möglich, Prozesse anzustoßen, die das Problem lösen und sich dabei selbst optimieren. Des weiteren wird die Problembeschreibung immer wieder angepasst und entspricht so nach jedem Entwicklungszyklus automatisch dem letzten Erkenntnisstand. Trotzdem bleibt die Beschreibung so schlank wie möglich.


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