Monatsarchiv für April 2009

Wahnsinn Sperrverfügung

Montag, den 20. April 2009

Beim Thema Kinderpornographie kochen die Emotionen hoch. Das scheint auch der Grund zu sein, weshalb der Verstand da manchmal ein wenig zurück treten muss. Es freut, wenn jemand sich die Mühe macht, das Thema Kinderpornographie und Netzsperren umfassend und sachlich analysiert. Besser hätte ich es nicht erklären können: Verschleierungstaktik
– Die Argumente für Kinderporno-Sperren laufen ins Leere
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Der erste Eindruck ist kein Zufall

Samstag, den 18. April 2009

Ich habe vor kurzem das Buch Emotions Revealed: Recognizing Faces and Feelings to Improve Communication and Emotional Life von Paul Ekman gelesen (Buch bei Amazon). Kurz (sehr, sehr kurz) zusammengefasst, geht es in dem Buch darum, dass Emotionen den Gesichtsausdruck beeinflussen. Dabei hat er festgestellt und wissenschaftlich untersucht, dass die Anzeichen für z.B. Wut weltweit gleich sind. Der Gesichtsausdruck ist nicht angelernt, sondern fest verankert (YouTupe).

Im Buch werden die Gesichtsausdrücke für die essentiellen Emotionen behandelt, und sie sind klar erkennbar. Die Frage, die sich mir stellt ist folgende: Wenn das Gesicht durch Emotionen verändert wird, müsste am Gesichtsausdruck auch die mentale Grundstimmung in all ihrer Vielschichtigkeit sichtbar werden. Die Schwierigkeit besteht darin, dass schon die „Basisemotionen“ schwer zu erkennen sind (für ungeübte). Genau da kommt IMHO das Bauchgefühl zum Einsatz. Wir erkennen, wenn wir uns dieser Fähigkeiten bewusst sind und sie uns bewusst machen, wie jemand sich fühlt. Wir können es nur nicht exakt zuordnen.

Wenn man jemand also zum ersten mal sieht, dann registrieren wir auch, wie dieser jemand gerade so „drauf“ ist. Dabei ist natürlich der Kontext wichtig, in dem diese Begegnung stattfindet. Wenn dann jemand in einem Kontext von dem zu erwartenden Bild abweicht, dann überrascht uns das. Abhängig von der Abweichung machen wir dann sehr schnell aus, ob uns dieser jemand sympathisch oder unsympathisch ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Abweichungen stark vom „Charakter“ abhängig sind. Damit wäre dann auch erklärbar, wieso man jemand nicht mag, obwohl er gerade erst den Raum betreten hat und noch kein Wort gesagt hat.

Der erste Eindruck trügt immer dann, wenn der andere sich in einem anderen Kontext bewegt. Das bedeutet, die Grundstimmung der Person ist durch andere Einflüsse anders als erwartet. Dann kann es tatsächlich dazu führen, dass man die Person falsch eingeschätzt hat. Da das sehr viel seltener der Fall ist, sollte man seinem Bauchgefühl folgen. Da bei einem Foto der Kontext meist bekannt ist, reicht selbst ein Foto aus, um feststellen zu können, wie jemand so „drauf“ ist.

Liebe auf den ersten Blick, die Chemie, die nicht stimmt, all dass ist kein Zufall, sondern sagt sehr viel darüber aus, ob zwei Menschen zueinander passen. Und das sogar, ohne dass sie sich jemals begegnet sein müssen.

So rot kann der Alarm gar nicht sein

Freitag, den 17. April 2009

Ich sah mich genötigt, auf folgenden Kommentar der Tagesschau zu Netzsperren und Kinderpornografie  zu Antworten http://www.tagesschau.de/inland/kommentar274.html. Meine Antwort habe ich an die Email internet@ard-hauptstadtstudio.de geschickt.

Sehr geehrter Herr Grabenheinrich,

das die Zahlen, die Sie erschreckend finden, jeder Grundlage entbehren, ergibt sich aus der Art und Weise, wie diese ermittelt wurden: als Hochrechnung anhand der Daten eines Servers in Schweden. Ich glaube, die Fehlerquote bei dieser Zahl liegt irgendwo bei +-450.000. Sie ist also weniger geeignet eine sachliche Diskussion zu führen. Aber daran möchte ich mich hier gar nicht weiter aufhalten.

Erschreckend für mich ist ihre Glaube, dass ein wie auch immer geartetes Stoppschild auf dem Rechner eines Nutzers erscheint und ihm erst dann klar wird, dass das kein „Kavaliersdelikt“ mehr ist. Glauben sie ernsthaft, das mal ein Täter in die Kamera sagen wird: „Ach, dass ist strafbar? Hätte mir das mal jemand gesagt.“ Die Konsequenzen, die jemandem drohen, der sich in dem Umfeld bewegt, sind heute schon gravierend, dass es eigentlich zur Abschreckung reichen müsste. Ich bin gespannt, wie das Stoppschild wohl aussehen wird, dass es all das übertrifft.

Aber, und hier bediene ich einen Vergleich, der, wie ich hoffe, die Absurdität dieses Vorhabens auch Ihnen verdeutlichen kann:
Netzsperren sind wie Stoppschilder im Straßenverkehr. Der Unterschied besteht darin, dass wir im Gegensatz zum Straßenverkehr nur Schilder aufstellen. Es gibt keine Geldstrafe und keine Polizisten. Und wenn jemand um das Schild herumfährt, sagt man halt: es sei ein technisch versierter gewesen, denn man nicht aufhalten konnte. Augen zu und durch.

Ich bitte Sie, nehmen Sie sich die Zeit und denken Sie in aller Ruhe darüber nach. Als Anregung kann ich ihnen auch noch folgende Artikel empfehlen:
http://mogis.wordpress.com/
http://www.zeit.de/online/2009/17/netzsperren-missbrauch

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,619509,00.html
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,619505,00.html

Mit freundlichen Grüßen
Michael Mosmann

p.s.: Ich habe diese Email auch in meinem Blog veröffentlicht: http://www.mosmann.de/blog/

Super gespart

Freitag, den 17. April 2009

Nachdem ich Telebid und Co aus den Augen verloren habe, sind wir heute wieder irgendwie bei dem Thema gelandet. Das habe ich dann zum Anlass genommen, mit das Thema mal wieder anzuschauen. Da bin ich dann auf der Seite von Swoopo gelandet. Und ich musste feststellen, dass das Geschäftsmodel weiter perfektioniert wurde.

Es gibt jetzt „1-Cent-Auktionen“. Die sind hervorgehoben durch ein kleines rotes Banner und suggerieren, dass der Kunde da besonders spart. Dabei wird der Preis pro Gebot nicht um 10 Cent sondern nur um 1 Cent erhöht. Toll, denkt man sich, dann wird es ja nicht so schnell so teuer. Doch die Realität sieht natürlich anders aus, und das aus gutem Grund. Die Gebote gehen natürlich trotzdem entsprechend hoch, weil es ja verlockend ist, mit 50 Cent Einsatz für ein Gebot ein etwas günstigeres Angebot zu erhaschen (man zahlt den Preis ja zusätzlich). Und solange der Preis unterhalb des Marktwertes ist, wird mitgeboten.

Ok, dann unterscheidet sich die „1-Cent-Auktion“ ja nicht von den anderen… Ähm. Doch. Und zwar an einer nicht ganz unwesentlichen Stelle: In einer aktuellen „Auktion“ wird hier ein Apple iMac 24″ für jetzt 342,28 Euro versteigert (die Zeit steht gerade bei 3:30, wo sie vorhin schon mal unter 10 Sekunden war, erhöht sich mit jedem Gebot um ich glaube 20 Sekunden). Das bedeutet, dass 34.228 (also 34 Tausend) Gebote abgegeben wurden.. a 50 Cent. Das bedeutet, dass 17114 Euro alleine durch Gebote zusammengekommen sind. Das nenne ich mal einen guten Schnitt. Selbst wenn Swoopo jetzt noch 9 von 10 Gebote selbst einstellt, dürfte sich das rechnen.

Ich denke, dass man Verbraucher vor so einem Service schützen muss, denn der Nutzer wird dabei schlicht übervorteilt.

Test Driven Development is Pre-Optimization

Dienstag, den 14. April 2009

Test Driven Development (TDD) lebt davon, dass vor jeder Funktion ein Test zu schreiben ist, der die Funktion auf Korrektheit prüft. Von diesem Schema gibt es keine Abweichung. Und genau da entsteht ein Problem, dass immer dann entsteht, wenn man glaubt, komplexe Probleme auf genau eine Art lösen zu können. Dabei ist der Ansatz interessant. Aber mit der Dosis, mit der diese Medizin verabreicht wird, wird es zu Gift. Dafür gibt mehrere Gründe, ein paar möchte ich beleuchten.

Nur Hellseher wissen, was später herauskommt und nicht mal die liegen richtig.

In dem ich einen Test für die Lösung eines Problems schreibe, lege ich das Endergebnis schon fest. Doch in vielen Fällen trifft diese erste Lösung nicht ins schwarze, sondern nur mit viel Glück überhaupt die Scheibe. Je länger man sich mit dem Problem beschäftigt, desto vielschichtiger werden die Lösungsansätze. Die Schwierigkeit mit einem Test ist dann, das es mit einem vorhandenen Stück Code schwerer fällt, sich von dieser Fehlentwicklung zu lösen.

Mir hat jemand die Zeit gestolen.

Wenn man TDD konsequent Anwendet, dann geht nichts mehr ohne Test. Das führt dazu, dass entweder die zu testenden Funktionen komplexer werden, weil man sich ja doch irgendwie scheut, für alles und jeden Tests zu schreiben. Oder es führt dazu, dass man fein granulierte Funktionen entwickelt, die jede mit einem Test geprüft werden. Man hat also für ein Problem doppelt soviel Code wie nötig geschrieben hat. Wenn man dann das Problem am Anfang auch noch (wie zu erwarten war) falsch eingeschätzt hat, dann sieht die Quote wohl noch schlechter aus, weil dann viel Testcode und Funktionscode durchs Refactoring geschoben wurde.

Die Lösung

Es kommt wie immer auf die Dosis an. Aber es erscheint mir aus den oben genannten Gründen zu riskant, als das man mit einem Test anfangen sollte. Bei einem Problem erstelle ich meist einen minimalen Funktionsprototypen, an dem man dann mit einem geeigneten Test a) die Funktion und vor allem b) die Handhabbarkeit testen kann. Dabei teste ich nur Dinge, bei denen ich davon ausgehe, dass da etwas schief laufen kann. Wenn man entsprechend selbstkritisch ist, entsteht eine gute Mischung aus Test- und Funktionscode, bei dem man dann den Testcode getrost der Problemlösung zurechnen kann, denn er demonstriert die Anwendung der Lösung an einem Beispielproblem. Getreu dem Motto: „Code ist Dokumentation“ hat man eine Dokumentation geschaffen, die nicht so schnell veraltet, die notwendige Information in einer für den Entwickler verständlichen Form transportiert und dabei auch noch schön kompakt ist.

Da ich Abkürzungen nicht mag (steht ein Teil des Problems drin), aber der eine oder andere doch einen Begriff haben möchte, mit dem er dieses Vorgehen benennen kann, nenne ich das ganze: Development is Code, Test and Documentation (DICTAD/DCTD).


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