Monatsarchiv für November 2007

Ich habe nichts zu verbergen, denn ich denke nicht mehr selbst.

Donnerstag, den 29. November 2007

Die Vorratsdatenspeicherung ist schwer zu vermitteln. Gerade weil nicht jeder versteht, was da genau passiert. Mit zunehmenden Verständnis bekommt man auch ein immer besseres Bild von den Möglichkeiten und den damit verbundenen Risiken. Wenn Datenschützer mit solchen Worten warnen (Vorratsdaten für Rechteinhaber sind "unerträglich"), sollte man langsam hellhörig werden. Aber Verständnis für Datenschutz ist besonders ausgeprägt. Man ist der Meinung, dass es einen nicht angehe. Man habe ja wirklich nichts zu verbergen. Was soll die Aufregung? 

Wir fahren alle vorschriftsmäßig Auto, nie zu schnell, immer rücksichtsvoll. Wir prüfen die Quittung an der Kasse und geben das Geld zurück, falls man zuviel rausbekommen hat. Männer pinkeln immer im Sitzen und wir alle hinterlassen die WC's in der Bahn wie wir sie vorgefunden haben. Wir rauchen nicht in Nichtraucherzonen. Wir sitzen nicht auf Schwerbehindertenplätzen und parken nicht im Parkverbot. Wir fahren nie schwarz. Wir lösen immer einen Parkschein. Wir trennen Müll und lassen nichts einfach auf der Straße liegen. Kaugummies würden wir nie unten an einen Tisch kleben.

Alle Menschen lügen. Dr. House

Wenn man nichts zu verbergen hat, sollte man für alle seine Lügen und Verfehlungen zur Rechenschaft gezogen werden? Ist das vielleicht sogar der Durchbruch für MicroPayment (Sie haben heute zwei mal geflucht. Das man 2,3 Cent.)?

Um aus Fehlern lernen zu können, muss man sie auch machen dürfen. Aber wenn Fehler durch die zunehmende Offenlegung des eigenen Handelns zu immer stärkeren Repressionen führen, wird man keine Fehler mehr machen wollen. Dann kann man aber auch nicht lernen. Kreativität wird im Keim erstickt, denn um kreativ zu sein, muss man Grenzen überschreiten können. Wenn das eigene Handeln so eingezwängt ist, dann ist auch der Geist nicht mehr frei. Dann prüft man jeden eigenen Gedanken, ob er nicht falsch ist. Und im Zweifelnsfall eben nicht für den Angeklagten.

Wer sich da nicht an Orwells 1984 erinnert fühlt, sollte das Buch vielleicht nochmal lesen.

Triple Pay – oder wie man für die eigene Überwachung zahlt

Montag, den 26. November 2007

Wäre es April, würde ich nochmal genau auf die Uhr schauen, um ganz sicher zu gehen, dass heute der 1. ist. Aber es ist nicht April und wenn es nicht so traurig wäre, wär es zum schreien komisch. So bleibt nur das Schreien, denn was anderes fällt einem dazu kaum noch ein.

Man mag mich als Schwarzseher bezeichnen (ich zahle meine Gebühren, ich meine das hier im ursprünglichen Sinne). Aber ich bin nicht allein. Und es hat sich dieses mal viel schneller bestätigt, was so ein Schwarzseher wie ich oder der Bundesdatenschützer kommen sah. Die Verbindungsdaten noch nicht mal gespeichert, sondern die Speicherung nur gesetzlich verordnet, erscheint auf einmal eine Gruppierung, die bisher wenig mit dem Thema Terrorismus (der Hauptgrund für die Vorratsdatenspeicherung, wie uns glaubhaft gemacht werden sollte) gemeinsam hatte. Die Gruppe der Rechtevertreter sind (wie man es bereits vermutet hat) auch an den Verbindungsdaten interessiert. Das war auch schon immer so. Was neu ist, ist der Umstand, dass auf einmal die Länder darauf drängen, diese Verbindungsdaten den Rechteinhabern zur Verfügung stellen zu wollen.

Was für eine große Geste. Denn die muss es sein, weil die Länder ja eigentlich nichts davon haben. Es könnte ihnen relativ egal sein.

Ist ja alles nicht so schlimm, oder?

Wie man es sieht. Ich fasse mal kurz zusammen: Die Vorratsdatenspeicherung ist für das Aufspüren von Terroristen gedacht. Damit das nicht mißbraucht wird, gibt es entsprechend hohe Hürden. Diese werden für die Rechtevertreter dann wieder abgebaut. Wenn die Rechtevertreter darauf so einfach Zugriff haben, dann muss das ja auch dem Staat gewährt werden. (Frage: ab wann ist man ein Rechtevertreter?).

Aber das beste daran ist: Schlägt der Provider die Kosten für die Datenspeicherung auf den Kunden um, zahlt der Kunde drauf. Lässt er sich das vom Staat zahlen, zahlen alle drauf. (Witzig: man hat dann ne DSL Rechnung, auch wenn man kein DSL bekommen kann.) Man macht es den Rechteinhabern dadurch viel einfacher, mit dem großen Netz nach Nutzern zu fischen, die man dann belangen kann. Das Netz ist viel engmaschiger geworden, es wird mehr Fische geben.

Nicht dass ich das illegale kopieren von Musik gutheißen mag, aber das ist nur ein Symptom, nicht die Ursache, eine Reaktion auf des merkwürdige Kundenverständnis der Rechteinhaber. Und wenn sich dann einer erwischen lässt, dann hat er die Ermittlung sozusagen auch noch selbst gezahlt.  Jeder hat gezahlt. Wir zahlen unterm Strich den Rechteinhabern die Ausweitung der Möglichkeiten zur Verfolgung ihrer Interessen und bekommen als Gegenwert NICHTS.

Wenn das nicht merkwürdig ist, wer das nicht bedenklich findet, dem ist vermutlich nicht mehr zu helfen.

Love it, change it or leave it.

Tag der NVA

Montag, den 19. November 2007

Heute morgen saß eine Frau im Bus, die sich mit Bomberjacke und Tarnhose doch recht deutlich vom Rest der Passagiere abhob. Ich dachte mir nicht besonders viel dabei (z.B. das diese Kleidung nicht unbedingt die Weiblichkeit unterstreicht).

Aber gerade läuft ein kleines Kind vor mir, was auch so eine Tarnhose an hat, diesmal allerdings in rosa. Da ich hier gerade die Gelegenheit habe, die Eltern zu der Kleinen zu sehen (oh. ist das vielleicht doch ein Junge?), muss ich zugeben, dass man sich da einiges aber eben nicht alles erklären kann.

Ich frage in solchen Fällen immer „Warum?“. Die Antwort lautet dann fast immer „Warum nicht?“. Blöde Antwort.

Ossi – Wessi

Freitag, den 16. November 2007

ein Kommentar auf zum Artikel auf heise.de mit dem Titel „Punk-Bands, ostdeutsche Zeitschriften und Journalisten im Überwachungsnetz“:

Was ist der Unterschied zwischen einem Ossi und einem Wessi?
Der Ossi hat seine Zukunft schon einmal erlebt.

Wieso wird Babies nicht übel?

Mittwoch, den 14. November 2007

Eine Mutter schüttelt gerade ihr Kind. Also etwas heftiger als das Schaukeln im Kinderwagen (mit der selben Absicht), aber nicht so heftig, das es bedenklich wäre (für mich als Laien).

Ich vermute, das das Schaukeln und Schütteln das Kind ermüden soll, weil es seine Umgebung nicht mehr richtig wahrnehmen kann. Würde man mich heute derart stark schütteln, dann würde mir recht schnell schlecht werden. Ich vertrage keine kreisförmigen Bewegungen über einem Vollkreis und bei fehlender Gleichgewichtssinn-Auge-Synchronisation wird mir einfach übel.

Ich glaube, ich war als Kind eher ruhig. Vermutlich habe ich deshalb einfach keine ausreichende Konditionierung gegenüber solchen Bewegungsformen. Gibt es dazu wissenschaftliche Untersuchungen?


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